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Im letzten Jahr hatte ich mir vorgenommen, meine Heimat, also das Münsterland, ein bisschen zu erkunden. Mit Ausnahme der Baumberge hat das allerdings nur leidlich geklappt. Hey, dafür habe ich mitten im Sauerland in einer Hängematte geschlafen. Und bin auf den Stausee dort rausgepaddelt, das war auch ganz gut.

Der Plan hat jedoch eher geruht, alsdass ich ihn leichtfertig aufgegeben habe und naja, dann kam gestern. Momentan bin ich nicht ganz so fit — die stressige Kombination aus Uni, Arbeit und dem ganzen Drumherum fordern so langsam ihren Tribut. Im aktuellen Fall waren es Bauchschmerzen in jeder Form und Ausprägung und die dann auch noch gleichzeitig. Macht nicht so viel Spaß, aber hey. Mir geht es wieder besser. Nur hatte ich gar keine Pläne fürs Wochenende geschmiedet, schließlich dachte ich, ich würde überwiegend im Bett liegen. Im Prinzip kann ich mich also glücklich, dass dem nicht so war, nur hatte ich eben nichts zu tun.

Plötzlich nervte mich dann so ungefähr alles und jeder und ich beschloss, mir am Sonntag den Wecker zu stellen und die Umgebung zu erkunden. Gesagt, getan. Die Wahl fiel auf den Wolbecker Tiergarten, der entgegen des Namens kein Zoo ist, sondern ein Naturschutzgebiet. Die Busse zum ausgewählten Ziel fahren quasi direkt vor meiner Haustür ab und so begab ich mich, eingepackt in Wollmantel und Gummistiefel Richtung Wolbeck.

Wolbecker Tiergarten 1

Im Ort selbst irrte ich erst einmal ein wenig herum, bis ich den Weg zum Tiergarten fand. Letzten Endes bin ich sicherlich einen ordentlichen Umweg gelaufen, der sich allerdings gelohnt hat. Entlang des kleinen Flusses, Angel mit Namen, war es mit Ausnahme der vielen Vögel gespenstisch still und die Sonne ließ sich auch noch blicken.

Das Naturschutzgebiet ist einer der ältesten Wälder Westfalens, schon im Mittelalter wurde er als Jagdrevier der münsterischen Fürstbischöfe genutzt. Damit das Wild nicht ausbrechen konnte, wurde das Gebiet mit Zäunen und Wällen umgrenzt, letztere sind zum Teil noch erhalten. Die Holznutzung war nachrangig und so blieb der Waldbestand relativ unberührt. Mittlerweile ist der Wolbecker Tiergarten ein Staatswald und das Gelände wird größtenteils naturnah bewirtschaftet. In der „Naturwaldzelle“ und dem erst seit 2011 ausgewiesenen „Wildnisgebiet“ wird der Wald sich selbst überlassen. Ein Feuchtbiotop hat mich dann noch zu einer kleinen Verschnaufpause eingeladen.

Wenn man nicht auf dem direkten Wege zum Tiergarten läuft, ist die Beschilderung selbst in Kombination mit der Karte, die ich auf dem Weg dorthin mitgenommen habe, durchaus etwas verwirrend, aber das macht nichts. Der offizielle Rundweg ist gute sechs Kilometer lang, aber man kann natürlich auch kreuz und quer umherlaufen — sofern man auf den Wegen bleibt. Ihr wisst ja, Naturschutzgebiet.

Die Kopfhörer wanderten schnell in die Jackentasche, es lohnt sich, einfach mal zu lauschen und dabei den Kopf frei zu bekommen. Zwei Stunden und ein unerwarteter Regenschauer später saß ich dann mit roten Wangen wieder an der Bushaltestelle. Wenn es etwas wärmer ist, muss ich unbedingt noch einmal zurück. Mit Picknickdecke und ein paar lieben Menschen.

Wolbecker Tiergarten

Was? Über 300 Hektar großes Naturschutz- und FFH-Gebiet.

Für wen? Spaziergänger, Jogger, Waldliebhaber und alle, die einfach mal abschalten wollen.

Wie hinkommen? Von Münster aus erreicht ihr den Stadtteil Wolbeck ziemlich entspannt mit dem Bus oder eben dem Rad. In beiden Fällen folgt ihr dem Verlauf der Hofstraße bis ihr entlang der Alverskirchener Straße an einem Parkplatz vorbeikommt. Dort müsst ihr nur rechts abbiegen und ihr seid so gut wie da.

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